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Die Erforschung meiner Vorfahren gliedert sich zwei große Bereiche.

Den ersten große Forschungsschwerpunkt stellt die Linie Oberndörfer dar. Die Vorfahren dieser Linie stammen aus Westböhmen. Die Oberndörfers konnte ich bisher in den Orten Graslitz, Deutschbundesort, Zwodau, Sobiekur und Amplatz finden. Alle Linien führen immer wieder auf den Ursprungsort Amplatz zurück.

Der zweite Teil ist die Linie Graus, die sich auf Unterfranken konzentriert. Schwerpunkt ist hier das Dorf Zellingen, aus welchem ca. 50% aller meiner Vorfahren stammen. Es hat sich gezeigt, dass wahrscheinlich die meisten in Zellingen vorkommenden Nachnamen in der einen oder anderen Weise mit meinem Stammbaum in Verbindung gebracht werden können.

Im folgenden versuche ich die wichtigsten Personen der jeweiligen Linien miteinander in Verbindung zu bringen und einige Hintergrundinformationen zu liefern.

 


 Die Linie Oberndörfer


Der Stammvater der Linie Oberndörfer ist GEORG OBERDÖRFER. Dieser wird erstmals in den Robotlisten von Amplatz im Jahr 1675 erwähnt. Dort ist vermerkt, dass er ein "3/8 ha Hofbesitzer" ist. Georg Oberdörfer war mit Anna verheiratet und hatte 3 Söhne: Simon, Mathias und Georg. Er starb 1720 im Alter von 76 Jahren in Amplatz. Wo Georg Oberdörfer herkam, ist  mir nicht bekannt. Sicher ist aber, dass er nicht in Amplatz geboren wurde. In der Berni Rula, einer Steuerrolle von 1654, und in der Seelenliste von 1651, in der sämtliche Untertanen von Böhmen erfasst wurden, taucht der Name Oberdörfer nicht auf. Das lässt vermuten, dass die Oberdörfer im Zeitraum von 1654 - 1675 als Siedler nach Amplatz kamen.

Sein Sohn GOERG OBERDÖRFER wurde um 1672 geboren und starb im Alter von 76 Jahren als Bauer in Amplatz. Verheiratet war er mit Maria, mit der er 9 Kinder hatte. In den Robotlisten von 1713 und 1717 wird Georg als Sohn des Georg genannt.

Sein Sohn
WENZEL OBERDÖRFER wurde 1699 in Amplatz geboren. Er heiratete 1723 in Dneschitz Katharina Skabrada, mit der er 10 Kinder hatte, von denen aber nur 5 Kinder das Erwachsenenalter erreichten. Durch die Heirat mit Katharina zog Wenzel von Amplatz nach Sobiekur, wo er als Bauer den Hof seiner Frau weiterführte. Er starb 1755 im Alter von 56 Jahren in Sobiekur.

Sein Sohn JOHANN OBERDÖRFER wurde 1740 in Sobiekur geboren. Aus den Musterungslisten und Standestabellen des Kriegsarchives Wien von 1782 - 1807 erfährt man, dass er als k.
& k. Cordonist in der Grenzstadt Graslitz stationiert war. Der Eintrag "den 30. May bei Callenberg ohne Captulation absentiert" weist darauf hin, dass sich Johann Oberdörfer länger als die gesetzlich vorgeschriebene Dienstzeit von 3 Jahren  bei der Armee verpflichtet hatte. Johann hatte mit seiner Frau zusammen zwei Söhne, Johann Anton und Joseph, die ebenfalls mit Altersangabe in den Musterungslisten und Standestabellen eingetragen sind. Leider fehlen von den beiden Söhnen das genaue Geburtsdatum, da die Taufen von einem Militärpfarrer durchgeführt wurden, und diese Unterlagen nicht mehr vorhanden sind. Johann Oberdörfer starb 1803 in Graslitz.

Sein Sohn JOSEPH OBERDÖRFER wurde um 1768 geboren und hatte 14 Kinder aus den zwei Ehen mit Maria Katharina LANGHAMMER und Maria Theresia DEHN. Er arbeitete als Schuhmacher, Musselinweber, Schlerwirker, Kattunweber und als Herberger in Graslitz und starb 1817, in HsNr. 99 in Graslitz, an der Lungensucht (Tuberkulose).

Seine Tochter MARIA ANNA OBERDÖRFER war aus zweiter Ehe und wurde 1798 in Graslitz geboren. Sie brachte 5 uneheliche Kinder zur Welt und war nie verheiratet. Sie starb 1861 in Graslitz.

Ihr Sohn ANDREAS OBERNDÖRFER wurde 1825 in Graslitz geboren und heiratete 1863 in Zwodau Theresia EHM, mit der er acht Kinder hatte. Eine Sterbeurkunde von Andreas konnte in den bis 1905 freigegebenen Kirchenunterlagen in Zwodau allerdings nicht gefunden werden. Er arbeitete als Tagarbeiter und Schafwollspinner in der 1849 in Zwodau gegründeten Baumwollspinnerrei von Ignaz Schmieger. Es ist interessant, dass sich der Nachname OBERDÖRFER - wie er noch bei seiner Mutter Maria Anna in den Kirchenbuchaufzeichnungen gefunden wurde -  mit Andreas in OBERNDÖRFER wandelt. Somit kann er als Namesgeber für die nachfolgenden Generationen bezeichnet werden.

Sein Sohn FRANZ OBERNDÖRFER wurde 1873 in Zwodau geboren. Er heiratete Anna SCHILHABL 1898, mit der er 7 Kinder hatte. Franz Oberndörfer arbeitete, genau wie sein Vater, in den Schmiegerfabriken als Kammgarnspinner. Er starb 1930 in Zwodau.

Sein Sohn GEORG OBERNDÖRFER, mein Großvater, wurde 1908 in Zwodau geboren. Er heiratete 1934 Maria CERNY in Zwodau. Aus der Ehe gingen zwei Söhne Ernst und Dietmar und eine Tochter Christa hervor. Zunächst arbeitete er als Textilarbeiter in den Schmiegerwerken. Nach der Flucht aus Westböhmen im Jahr 1945 ließ er sich mit seiner Familie in Zellingen nieder, wo er als Waldfacharbeiter und Bademeister tätig war.


Die Linie Graus

Stammvater der Linie Graus ist HANNß GRAUß, der 1603 geboren wurde und 1674 in Freudenberg starb. Er heiratete eine Margaretha (Nachname unklar) in Freudenberg. Diese Heiratsurkunde vom 26.02.1639 stellt das älteste schriftliche Zeugnis der Linie Graus dar (siehe: Mein Einstieg in die Ahnenforschung). Als Beruf findet sich in den Unterlagen in Freudenberg der des Zieglers. Der Beruf Ziegler und Ziegelbrenner lässt sich in der Linie Graus noch viele Generationen weiterverfolgen. In der Chronik von Eugen Mai (genauere Angabe dazu, siehe Hilfsmittel & Quellen) aus dem Jahr 1908 beschreibt dieser die Ziegelhütte von Freudenberg, die bis ins Jahr 1850 in Betrieb war und später abgebrochen wurde. Im Zeitraum von ca. 1630-1700 finden sich in Freudenberg viele "Graus" und es wird interessant sein, herauszufinden, wie diese alle miteinander verwandt sind.

Der Sohn des Hannß Grauß ist JOHANN SEBASTIAN GRAUS. Er wurde 1644 in Freudenberg geboren und starb dort 1691. Er war zweimal verheiratet und hatte mit Margaretha (Nachnamen unbekannt) und Maria Elisabeth PAAL 5 Kinder. Wie sein Vater, arbeitete er als Ziegelbrenner in Freudenberg.

Dessen Sohn JOHANNES PETER GRAUS wurde 1667 ebenfalls in Freudenberg geboren. Er wanderte aber nach Eibelstadt aus, wo er erstmals 1691 erwähnt wurde. Er starb 1722 in Eibelstadt. Aus seinen zwei Ehen mit Maria Sabina CARL (1691) und Maria Martha (Nachname nicht bekannt: 1716) gehen elf Kinder hervor. Er hatte zwei Berufe in Eiblstadt: Ziegelbrenner und Gerichtsschöffe.

Für mich relevant ist sein Sohn JOHANN FRIEDRICH GRAUS, der im Jahr 1708 in Eibelstadt geboren wurde. Er heiratete zunächst 1732 Maria CLEMENZ in Kirchheim, mit der er zwei Kinder bekam. Nachdem Maria Clemenz 1736 im Kindsbett starb, heiratete er 1737 wieder und zwar Maria Apollonia NEES in Kleinrinderfeld, mit der er vier Kinder hatte. In einer Taufurkunden aus erster Ehe kann man ersehen, dass Johann Friedrich Graus Bader war.
Die Bader waren für die Körperpflege zuständig und besaßen entweder eine eigene Badestube oder waren in den Badestuben der Städte angestellt. Zu den Tätigkeiten des Baders gehörten neben dem Unterhalt der Badestuben auch das Kopfwaschen, Haareschneiden und Rasieren der Gäste. Aber auch "ärztliche" Behandlungen, wie das Aderlassen oder das Ziehen von Zähnen gehörten zu dem Aufgabengebiet.
Ab 1738 findet man in den Urkunden des Johann Friedrich Graus, dass er Bürger von Kirchheim war und den Beruf des Barbiers ausübte. Die Barbiere beschäftigten sich mit der Wundarzneikunde und durften im Gegensatz zu den Ärzten nicht das Handwerk der inneren Medizin ausüben. Sie kümmerten sich um Leiden wie Starsicht, richteten Brüche, führten Amputationen, Nasen- und Harnröhrenbehandlungen durch. Um vom Gesellen zum Meister aufzusteigen, mussten Barbiere drei Jahre in der Fremde ihren Beruf ausüben. Wahrscheinlich war das der Grund, warum Johann Friedrich Graus um 1740 mit Apollonia Nees nach Zellingen zog.
Nach dem Tod von Apollonia im  Jahre 1744 heiratete Johann Friedrich 1745 die Witwe Cunegunde KODER aus Retzbach und zog von Zellingen nach Retzbach. Mit Cunegunde Koder hatte Johann Friedrich noch einen weiteren Sohn. Johann Friedrich Graus starb im Jahr 1777 in Retzbach. Er war der erste, der den Beruf des Baders oder Barbier ausübte. Noch drei Generationen weiter arbeiteten seine Nachkommen in diesem Beruf und meine Mutter weiß noch, dass die Graus früher immer als die "Bader" bezeichnet wurden.

GEORG GRAUS ging aus der Ehe mit Apollonia hervor und wurde 1741 in Zellingen geboren und war damit der erste in Zellingen geborene Graus. Er war zweimal verheiratet und hatte mit Anna HOFMANN und Catharina RIEDNER (Ehe 1766) zusammen zehn Kinder. Er übte - wie sein Vater - den Beruf des Barbier aus und starb 1795 in Zellingen.

Sein Sohn JOHANNES GEORG GRAUS wurde 1774 in Zellingen geboren und starb dort 1842. Er heiratete 1811 Anna Maria HOFMANN, mit der er ein Kind hatte. Nach deren Tod 1812 heiratete er Maria Margaretha BANZ, mit der er sieben Kinder hatte. Er übte den Beruf des Bader, Barbier und Holzhändlers aus.

GEORG FRANZ GRAUS wurde 1822 in Zellingen geboren und starb dort im Jahr 1891. Er heiratete 1848 Barbara STAAB in Zellingen, mit der er elf Kinder hatte. Im Gegensatz zu seinen Vorfahren war er Bauer.

Sein Sohn FRANZ KARL GRAUS kam 1865 in Zellingen auf die Welt und starb dort 1919. Mit Anna TREUTLEIN, die er 1887 heiratete, hatte er vier Kinder und übte ebenfalls den Beruf des Bauern aus.

HUGO GRAUS wurde 1895 in Zellingen geboren und starb 1958 im Luitpoldkrankenhaus in Würzburg. Er heiratete 1921 Eva Luzia KÖTZNER in Zellingen, deren Eltern aus Hundsfeld stammten. Mit ihr hatte er drei Söhne: Franz Josef, Georg und Nikolaus. Er arbeitete als Postbote in Zellingen.

Mein Großvater FRANZ JOSEPH GRAUS wurde 1922 in Zellingen geboren und starb dort 1982. Er heiratete 1947 Elfriede REUCHLEIN, eine gelernte Schneiderin, mit der er die Kinder Klaus und Christel hatte. Er erlernte den Beruf des Kochs und Konditors und arbeitete nach dem Krieg als Bahnpolizist.